Jahr: 2020

  • Doktorand*innen berichten: Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen

    Photo: Christoph Sommer arbeitet im Forschungsprojekt Soziale Kohäsion in Afrika am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
    Christoph Sommer, ©DIE

    Wie sollten Finanzsysteme ausgestaltet sein, um kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen guten Zugang zu externer Finanzierung zu ermöglichen? Dieser Frage geht Christoph Sommer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), in seiner Doktorarbeit nach. KMU kommen in Niedrig- und Mitteleinkommensländern eine besondere Rolle zu, da sie einen Großteil der Unternehmen ausmachen und für mehr als die Hälfte der formellen Jobs verantwortlich sind (deutlich mehr sogar, wenn man informelle Jobs berücksichtigt). Zudem tragen KMU dazu bei, wirtschaftliche Entwicklung inklusiver zu gestalten und dadurch Armut und Einkommensungleichheiten zu verringern. Gleichzeitig aber stehen KMU vor besonderen Herausforderungen, externe Finanzierung zu bekommen, da sie häufig die üblichen Bedingungen für eine Kreditprüfung wie Sicherheiten (verbriefter Grundstück- und Immobilienbesitz), geprüfte Jahresabschlüsse, Kredithistorien und ähnliches nicht erfüllen.

    Entwicklungen und Trends, wie zum Beispiel ein wachsender Mikrofinanzsektor oder die zunehmende Digitalisierung im Finanzbereich, verändern die Akteure und Instrumente im Finanzsystem. Es gilt, die Folgen dieser Veränderungen für KMU zu verstehen und durch entsprechende Politikinterventionen positiv zu gestalten. Im ersten Teil seiner Doktorarbeit betrachtet Christoph Sommer die Wechselwirkungen zwischen dem Mikrofinanzsektor und der KMU-Finanzierung von konventionellen Finanzinstitutionen. Ziel der Forschung ist es, zu beleuchten, wie ein starker Mikrofinanzsektor mit funktionierender KMU-Finanzierung durch konventionellen Finanzsystem vereinbart werden kann. In seinem zweiten Papier untersucht er die Bedeutung von längerfristiger Finanzierung („geduldigem Kapital“) für KMU, da durch die Förderung von „digital finance“ der Anteil an kurzfristiger Finanzierung weiter zunimmt – möglicherweise mit unbeabsichtigten negativen Folgen für KMU.

    Mit den Erkenntnissen aus seiner Doktorarbeit können Entscheidungsträger unterstützt werden, entsprechende Politiken auszugestalten, die KMU-Finanzierung und damit den inklusiven wirtschaftlichen Fortschritt fördern.


    Christoph Sommer arbeitet im Forschungsprojekt Soziale Kohäsion in Afrika am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und schreibt seine Dissertation an der Universität Heidelberg. Er hat VWL an der Universität Tübingen, University of Botswana und der Yale University studiert.

  • 2020 as the Anno Commotio (Year of Yearning) –Academia needs to change for diversity, too!

    Photo: Graduates with academic hats from above
    Source: https://www.needpix.com/photo/201350/graduates-graduation-cap-and-gown-free-pictures-free-photos-free-images-royalty-free-free-illustrations

    Last year, international relations scholars labelled the year 2020 as anno horribilis, because of the prospect of difficult upcoming chairmanship of important multilateral “clubs” such as the G7 (United States), G20 (Saudi Arabia) and BRICS (Russia). These governments are perceived to undermine multilateralism. The year 2020, however, thus far has been shaped primarily by other major disruptions: the COVID19 pandemic, new negative records in climate change, and the racial tensions in the United States and in other parts of the world. Indeed, these disruptions are reversing advancement in human rights and good governance. Disruption, however, has the potential to enable paradigm shifts – also to the better, and somewhat closer to home.

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  • Fair trade and covid-19: Resisting resilience?

    Photo: Plant through a hole in a boat, By Kim Thomas on Pixabay

    New buzzword – why so popular?

    Resilience has become increasingly popular in all dimensions of our lives and also in different academic disciplines ranging from ecology to psychology and social sciences. The resilience turn has also reached the EU: first in EU development and humanitarian aid policy in 2012, then European neighbourhood policy in 2015, after which it became the centerpiece of the EU’s Global Strategy of 2016.

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  • It’s the end of the COP as we know it!

    Card: It's the end of the COP as we know it!
    ©DIE

    In der zweiten Junihälfte veranstaltete das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) zusammen mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie eine Online-Expertenworkshop-Reihe mit dem Titel „It’s the end of the COP as we know it!“ Darin forderten sie Expert*innen auf, Reformoptionen zu prüfen, die es der jährlichen „Vertragsstaatenkonferenz“ (Conference of the Parties, COP) der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) ermöglichen, eine ehrgeizige Klimapolitik effektiv umzusetzen. Ursprünglich als zweitägiger Workshop geplant, griffen die Veranstalter als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie auf ein Web-Format mit vier separaten Online-Sitzungen zurück.

    Am 17. Juni wurde der Workshop mit einer Keynote von Martin Frick, dem stellvertretenden Sondergesandten des UN-Generalsekretärs für den Welternährungsgipfel 2021, eröffnet. Er hob die Bedeutung von Ernährungssystemen für eine wirksame Klimapolitik hervor und unterstrich die Notwendigkeit eines systemischen Ansatzes zur Bewältigung der globalen Klimakrise. Damit gab er den Ton für die darauffolgende Sitzung über horizontale Verflechtungen in der multilateralen Klimapolitik vor. Nach Vorträgen von Alexandra Deprez (IDDRI), Ludwig Liagre (Universität Padua), Christián Retamal und Julio Cordano (Regierung von Chile), Susan Biniaz (Universität Yale) und einer kritischen Würdigung durch Ina Lehmann (DIE) erörterte das virtuelle Panel das Potenzial für eine Abstimmung der UNFCCC-COPs mit anderen multilateralen Prozessen, zum Beispiel im Hinblick auf den Erhalt der biologischen Vielfalt und das Versprechen von „naturbasierten Lösungen“.

    In der zweiten Sitzung am 18. Juni loteten Damon Jones (Climate Analytics), Stefan Aykut (Universität Hamburg), Darius Nassiry (Climate Finance Advisors, BLLC) sowie Wolfgang Obergassel und Lukas Hermwille (Wuppertal Institut) mit Dan Bodansky (Arizona State University) und Katia Simeonova (UNFCCC-Sekretariat) als designierte Diskutant*innen, den Umfang einer COP-Reform aus, indem sie unter anderem die unterschiedlichen Rollen und Funktionen der UNFCCC-COP differenzierten.

    Card: Quote Steffen Bauer "It's the end of the COP as we know it", Session 3
    ©DIE

    Am 24. Juni konzentrierte sich die dritte Sitzung auf die Rolle der überparteilichen Interessenvertreter*innen bei der Förderung des institutionellen Wandels und der Umsetzung der Politik, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Workshop-Reihe zog. Thomas Hale (Oxford University) und Bryce Rudyk (New York University), Carolin Fraude und Thomas Bruhn (IASS, Potsdam), Idil Boran (York University) und Sander Chan (DIE) sowie die Diskutant*innen Heike Schroeder (University of East Anglia) und Joanes Atela (ACTS, Nairobi) sprachen dies unter dem gemeinsamen Thema „Enhancing Participation“ an.

    Die vierte und letzte Sitzung am 25. Juni widmete sich dem Thema „Facilitating action across levels“ mit Präsentationen von Shalini Sharma (ICE&SDGs, Indien), Frank Granshaw (GPSEN, USA) und Kathleen Mar (IASS, Potsdam) und zusätzlichen Kommentaren von Richard Klein (SEI) und Saleemul Huq (ICCCAD). Die Co-Gastgeber Steffen Bauer (DIE) und Lukas Hermwille (Wuppertal Institut) beendeten die Workshop-Reihe, indem sie in ihrer Abschlusspräsentation die gemeinsamen Punkte aller vier Sitzungen heraushoben. Sie stellten fest, dass sich ein Konsens darüber abzeichnet, dass die UNFCCC COPs von der Verhandlung zur Umsetzung übergehen und dazu politische Leitlinien auf höchster Ebene notwendig sind. Dieses Ziel, so die Workshop-Reihe, könnte erleichtert werden, wenn das Potenzial eines breiteren Spektrums von Akteuren, einschließlich nichtstaatlicher Akteure, einbezogen und multilaterale Prozesse und Politikbereiche, die über die UNFCCC hinausgehen, einbezogen würden.

    Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, wie die UN-Klimakonferenzen hin zu einer ehrgeizigen und effektiven Umsetzung reformiert werden können, nutzen Sie dazu den Hashtag #EndOfCOP auf Twitter.

  • It’s the end of the COP as we know it!

    Card: It's the end of the COP as we know it!
    ©DIE

    During the second half of June, the German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) hosted an Online Expert Workshop Series entitled „It’s the end of the COP as we know it!” together with the Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. It called upon experts to consider reform options that enable the annual “Conference of the Parties” (COP) of the UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) to further effective implementation of ambitious climate policy. Originally planned as a two-day workshop, the co-chairs resorted to a web format with four separate online sessions, in response to the Covid-19 pandemic.

    On 17th June, the workshop kicked off with a keynote intervention by Martin Frick, Deputy of the UN Secretary-General’s Special Envoy for the Food Systems Summit 2021. He highlighted the relevance of food systems for effective climate policy as underscoring the need for a systemic approach to the global climate crisis. This effectively set the tone for the ensuing session on horizontal interlinkages in multilateral climate governance. Following presentations by Alexandra Deprez (IDDRI), Ludwig Liagre (University of Padua), Christián Retamal and Julio Cordano (Government of Chile), Susan Biniaz (Yale University) and a critical appraisal by Ina Lehmann (DIE), the virtual panel discussed the potential for aligning UNFCCC COPs with other multilateral processes, for instance, with regard to biodiversity conservation and the promise of “nature-based solutions.”

    In the second session, on 18th June, Damon Jones (Climate Analytics), Stefan Aykut (University of Hamburg), Darius Nassiry (Climate Finance Advisors, BLLC), and Wolfgang Obergassel and Lukas Hermwille (Wuppertal Institute), with Dan Bodansky (Arizona State University) and Katia Simeonova (UNFCCC Secretariat) as designated discussants, endeavoured to “Scoping COP reform” by inter alia differentiating distinct roles and functions of the UNFCCC COP.

    Card: Quote Steffen Bauer "It's the end of the COP as we know it", Session 3
    ©DIE

    On 24th June, the third session focussed on the role of non-party stakeholders to driving institutional change and policy implementation, which proved a recurrent theme across the entire workshop series. Thomas Hale (Oxford University) and Bryce Rudyk (New York University), Carolin Fraude and Thomas Bruhn (IASS, Potsdam), Idil Boran (York University) and Sander Chan (DIE), as well as discussants Heike Schroeder (University of East Anglia) and Joanes Atela (ACTS, Nairobi) addressed this under the common theme of “Enhancing participation”.

    The fourth and final session, on 25th June, turned to “Facilitating action across levels” with presentations by Shalini Sharma (ICE&SDGs, India), Frank Granshaw (GPSEN, USA), and Kathleen Mar (IASS, Potsdam) and additional commentaries by Richard Klein (SEI) and Saleemul Huq (ICCCAD). Co-chairs Steffen Bauer (DIE) and Lukas Hermwille (Wuppertal Institute) wrapped up the workshop series as they connected the dots across all four sessions in their concluding presentation. They noted an emergent consensus on the need for the COP to move from negotiation to implementation and to provide high-level political guidance to that end. This objective, the workshop series suggests, could be facilitated by embracing the potential of a broader spectrum of actors, including non-state actors, and by reaching out to multilateral processes and policy sectors that lie beyond the UNFCCC.

    If you wish to join the debate on how to reform UN climate conferencing for the benefit of ambitious and effective implementation, you may refer to the hashtag #EndOfCOP on Twitter.