Jahr: 2020

  • News from SDSN Germany

    Statement by SDSN Germany „Sustainable development policy in crisis mode“

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    While the COVID-19 pandemic continues to hold societies, economies and political leaders in its thrall, sustainable development policy risks grinding to a halt. Now, in the fifth year since the 2030 Agenda for Sustainable Development and its 17 Sustainable Development Goals (SDGs) were adopted and the Paris Climate Agreement was signed, sustainable development policy faces two challenges simultaneously: how to prove its relevance in helping to shape the response to the crisis while also ensuring its own future viability during precisely this crisis?

    The Leadership Council of SDSN Germany adopted six proposals on 4th June dealing with how sustainable development policy and its actors can engage now in crisis management and at the same time, contribute to a fundamental advancement of Germany’s National Sustainable Development Strategy:

    1. Persevering with the European Green Deal and placing it at the forefront of sustainable development policy and efforts to tackle the crisis,
    2. Expanding the involvement of sustainability actors in efforts to tackle the crisis – Shaping Germany’s National Sustainable Development Strategy as an instrument and expression of the crisis response,
    3. Human well-being as a transformation task: reviewing health goals,
    4. Make the transformative lever of finance an integral part of Germany’s National Sustainable Development Strategy now and harness sustainable finance as a key lever for crisis response,
    5. Strengthen community- and region-level governance of rebuilding and sustainable development.

    The statement builds upon the five proposals of SDSN Germany concerning the structural advancement of the German Sustainable Development Strategy of March 2020 and complements it with regard to the circumstances changed by the COVID-19 pandemic. Globally, the statement describes that key processes underpinning sustainable development policy are being postponed, restricted or put at risk. In addition, efforts to update Germany’s National Sustainable Development Strategy have been postponed to 2021. In contrast, the statement highlights that due to the COVID-19 pandemic these advancements are now more important and necessary than before. SDSN Germany underlines the relevance of comprehensive situational assessments and unsparing analyses demanded by the Parliamentary Advisory Council on Sustainable Development (PBnE) and the German Council for Sustainable Development (RNE). Even at this early stage, preparations have to be initiated for a structural reboot of Germany’s National Sustainable Development Strategy at the beginning of the new legislative period in 2021.

  • Neues von SDSN Germany

    Stellungnahme von SDSN Germany „Nachhaltigkeitspolitik im Krisenmodus“

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    Während die COVID-19-Pandemie Gesellschaften, Wirtschaft und Politik weiter im Griff hat, droht die Politik für nachhaltige Entwicklung ins Stocken zu geraten. Im fünften Jahr nach der Verabschiedung der  Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs) sowie des Pariser Klimaabkommens steht Nachhaltigkeitspolitik vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss sich in der Mitgestaltung der Krisenbewältigung als relevant erweisen und gleichzeitig unter Krisenbedingungen ihre eigene Zukunftsfähigkeit sichern.

    Der Lenkungsausschuss von SDSN Germany hat am 4. Juni sechs Vorschläge beschlossen, wie Nachhaltigkeitspolitik und ihre Akteure sich jetzt in der Krisenbewältigung engagieren und gleichzeitig zu einer grundlegenden Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beitragen können:

    1. Am European Green Deal festhalten und ihn in den Mittelpunkt von Krisenbewältigung und Nachhaltigkeitspolitik stellen,
    2. Mitwirkung von Nachhaltigkeitsakteuren in der Krisenbewältigung ausbauen – Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie als Instrument und Ausdruck der Krisenbewältigung gestalten,
    3. Menschliches Wohlergehen als Transformationsaufgabe: Gesundheitsziele prüfen,
    4. Den transformativen Hebel Finanzen jetzt in der Nachhaltigkeitsstrategie verankern und Sustainable Finance zum maßgeblichen Hebel der Krisenbewältigung machen,
    5. Kommunen und Regionen in der Governance von Wiederaufbau und Nachhaltigkeit stärken,
    6. Auch international die Krisenbewältigung mit der Umsetzung der 2030 Agenda verbinden.

    Die Stellungnahme baut auf den fünf Vorschlägen von SDSN Germany für die strukturelle Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie von März 2020 auf und ergänzt diese mit Blick auf das durch die COVID-19-Pandemie veränderte Umfeld. Weltweit seien, so die Stellungnahme, wesentliche Prozesse der Nachhaltigkeitspolitik mit Verschiebungen, Einschränkungen oder Risiken konfrontiert. Auch die Fortschreibung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sei von der Bundesregierung inzwischen auf 2021 verschoben worden. Demgegenüber betont die Stellungnahme, dass durch die COVID-19-Pandemie die Weiterentwicklung dieser Prozesse noch dringender und notwendiger geworden sei. SDSN Germany unterstreicht die Relevanz der auch vom Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung (PBnE) und dem Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) geforderten umfassenden Bestandsaufnahmen und schonungslosen Analysen der bisherigen Ergebnisse der Nachhaltigkeitsstrategie. Bereits jetzt müsse mit der Erarbeitung der Grundlagen für eine strukturelle Neuaufstellung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu Beginn der nächsten Legislaturperiode 2021 begonnen werden.

  • Bericht zur Jahreskonferenz des RNE am 15 Juni 2020

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    Am 15. Juni 2020 hat der Rat für nachhaltige Entwicklung seine erste virtuelle Jahreskonferenz durchgeführt. Vieles war anders als geplant – ein halbtägiges Format anstelle eines ganztägigen Treffens; eine Videobotschaft der Kanzlerin anstelle eines Live-Auftritts, und auch die Vorstellung des Entwurfs der überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie fiel aus, weil die Bundesregierung sich in den vergangenen Monaten auf die Einhegung der Corona-Pandemie und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Folgen konzentrieren musste. Die Konsultation zur Nachhaltigkeitsstrategie wurde auf den Herbst verschoben.

    Der RNE nutzte die Konferenz, um mit externen Gästen die Themen zu diskutieren, mit denen er sich in der ersten Jahreshälfte befasst hat. Im Zentrum standen zum einen Themen, die aus Sicht des Rates mehr Gewicht in der Nachhaltigkeitspolitik bekommen müssen, wie z.B. die öffentliche Daseinsvorsorge, nachhaltige Ernährungssysteme und die Dekarbonisierung von Produktion und Konsum. Zum anderen standen auch neue Themen im Fokus, wie die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, die dringende Empfehlung, das Konjunkturprogramm in Deutschland und der Europäischen Union (EU) an Zielen der Klima- und Nachhaltigkeitspolitik auszurichten und die deutsche Präsidentschaft im Rat der EU zu nutzen, um die europäisch-afrikanische Partnerschaft zu reformieren und zu stärken. In der Schlussrunde fasste Imme Scholz, stellvertretende RNE-Vorsitzende, Einsichten aus der Jahreskonferenz und den Äußerungen der 3400 Zuschauer*innen zusammen: Die Corona-Pandemie wird von vielen auch als Chance gesehen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen, z.B. die Erkenntnis, dass nicht nur systemrelevant ist, was Einkommen schafft oder das Wirtschaftswachstum sichert, sondern das, was Menschen wachsen lässt und ihnen ermöglicht, den Alltag zu bewältigen und die Gesellschaft zusammenhält. Der Bezug auf das Gemeinwohl hat damit in der öffentlichen und der politischen Debatte neue Bedeutung gewonnen.

    Im Sommer und Herbst veranstaltet der RNE eine Reihe von Web-Formaten, in denen Interessierte auch direkt in den Austausch treten können. Den Auftakt bildet am 8. Juli die Web-Konferenz „Der Beitrag von verantwortlichem Banking und nachhaltigkeitsorientiertem Finanzwesen für resiliente Wirtschaftsstrukturen“. Näheres dazu in Kürze auf der RNE-Website.

    Link zur Aufzeichnung der RNE Jahreskonferenz 2020: https://www.nachhaltigkeitsrat.de/termine/online-konferenz-2020/

  • DIE co-hosts virtual International SDG Research Symposium

    From 9 to 11 June 2020, the German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) co-hosted the International SDG Research Symposium “Global Goals 2020” that was virtually hosted by Utrecht University. A number of researchers from DIE contributed to sessions on their respective research topics.

    In a plenary session opening the second day of the conference, DIE’s Deputy Director Imme Scholz gave a keynote on „Implementing the 2030 Agenda: On the Road to Socio-ecological Transformation or Remaining in the Niche?“. In her speech, she reflected on the effectiveness of national strategies for sustainable development (NSDS) as an instrument for implementing the SDGs, also based on her experiences in the German Sustainability Council since 2013. Looking at the size of ecological footprints in affluent societies and their growth in middle-income countries, the need for effective strategies is great and not satisfied. While many developing countries swiftly adjusted their national development plans to the SDGs, rich countries were slower. Germany and other European countries resorted to adjusting their NSDS of old that had been introduced after the Rio Summit in 1992 and had often survived in a niche. Compared to 2002, when many NSDS were adopted, the reformed NSDS after 2015 exhibit new features: more emphasis on non-state action, and shy efforts to go beyond silos and achieve substantive change. The niche is seen, and the sustainability community is struggling to get out of it. But incentives for incoherence remain, as departments struggle for budgets and political attention, and as public administrations shy back from reforming their ways of working. Substantive change is rather to be expected from social mobilisation and changes in electoral behaviour than from enlightened public administrations, as events around European elections showed last year in Germany (so democratic political order really matters). In this context, NSDS remain important for offering long-term political orientation on priorities for change and as an arena for societal and political debates on them.

    On the panel “Planetary integrity: Protecting the Climate,” Clara Brandi presented joint work with Phoossarapha Thongjumrool (University of Duisburg-Essen) on “Synergies between the Paris Agreement and the 2030 Agenda in China and Mexico.” Their analysis of policy coherence between Nationally Determined Contributions (NDCs) and National Development Plans (NDPs) reveals that there is considerably more overlap in China than in Mexico. This in turn suggest more policy coherence in the former than in the latter, and thus more potential for leveraging synergies. The ongoing process of NDC updates provides promising avenues for future research on coherence between the Paris Agreement and the SDGs.

    Okka Lou Mathis presented a conceptualisation of national political sustainability institutions such as councils or committees for sustainable development on the panel “Planetary integrity: Resilience, nature-based solutions and the SDGs”. She further discussed assumptions on their necessary design conditions for effectively promoting sustainability and climate concerns in political decision-making. Preliminary results from the analysis of a global dataset on national sustainability institutions (under construction) indicate that more than half of the so far identified cases are located in the Global North. As expected, the implementation of such political bodies seems to be associated with the big UN Sustainability Conferences starting with the Rio Earth Summit in 1992. Especially, the adoption of the Agenda 2030 in 2015 sparked a global increase in announcing national sustainability institutions while not all have been implemented yet. Around three-quarters of the identified institutions clearly align their work with UN sustainable development agendas.

    On the panel “Integration and Interlinkages: Integration and Coherence”, Anita Breuer and Head of Programme Julia Leininger presented a study in collaboration with Jale Tosun (University of Heidelberg) on “Integrated policymaking: A comparative analysis of institutional designs for implementing the SDGs”. Their comparative analysis of SDG governance mechanisms in 92 countries shows strong government support for the 2030 Agenda with institutions for overseeing the SDG implementation process being located at the highest executive level in most countries. However, they also find a dominant role of ministries of environment and foreign affairs in SDG governance mechanisms. This in turn suggests that in many countries the 2030 Agenda continues to be perceived mainly as an ecological and development agenda despite its much broader scope and ambition of universality.

    On a separate panel of the series “Integration and Interlinkages: Integration and Coherence”, Gabriela Iacobuta presented joint work with Clara Brandi, Adis Dzebo (Stockholm Environment Institute, Sweden) and Sofia Elizalde Duron (Mora Institute, Mexico) on coherence between climate-relevant development finance and climate activities in the Nationally Determined Contributions of recipient countries. By applying an SDG-lens to both variables, they found that there is significant correlation between climate-relevant finance committed between 2010-2018 and pledged climate activities. However, while climate-relevant finance has been disproportionately committed to climate mitigation, recipient countries have put forward more adaptation actions.

    On a panel of the series “Integration and Interlinkages: Interlinkages among SDGs”, Ines Dombrowsky and Ramona Hägele presented a study prepared in the context of this year’s DIE Postgraduate Training Programme on Natural resource governance in light of the 2030 Agenda. The case of competition for groundwater in Azraq, Jordan. The study assesses the overall performance of the investigated social-ecological system, namely groundwater use in Azraq, against the 2030 Agenda, i.e. against the Sustainable Development Goals relevant for the case study (SDGs) 2, 6, 8, and 15, as well as against the 2030 Agenda’s core principles ‘Leaving No One Behind’, ‘Interconnectedness and Indivisibility’, ‘Multi-Stakeholder Partnerships’, and ‘Inclusiveness’. It finds strong trade-offs among the respective SDGs and that core principles are far from being met. Instead, the case is characterised by stark inequity between the powerful and the powerless, as well as relatively weak inter-sectoral and cross-level coordination paired with weak citizen participation. The findings illustrate the need for holistic perspectives in order to identify a range of intervention points to drive a transformation towards sustainability.

  • DIE als Mitveranstalter des virtuellen internationalen SDG-Forschungssymposiums

    Vom 9. bis 11. Juni 2020 war das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) Mitveranstalter des Internationalen SDG-Forschungssymposiums „Globale Ziele 2020“, das virtuell von der Universität Utrecht ausgerichtet wurde. Mehrere Wissenschaftler*innen des DIE trugen zu Sessions zu ihrem jeweiligen Forschungsgebiet teil. In einer Plenarsitzung, die am zweiten Tag der Konferenz eröffnet wurde, hielt Imme Scholz, stellevertretende Direktorin des DIE, eine Keynote zum Thema ,,Implementing the 2030 Agenda: On the Road to Socio-ecological Transformation or Remaining in the Niche?“. In ihrer Rede reflektierte sie die Wirksamkeit nationaler Nachhaltigkeitsstrategien als Instrument zur Umsetzung der SDGs, auch basierend auf ihren Erfahrungen im Rat für nachhaltige Entwicklung seit 2013. Angesichts der Größe der ökologischen Fußabdrücke in wohlhabenden Gesellschaften und des Wachstums in Ländern mit mittlerem Einkommen ist der Bedarf an wirksamen Strategien groß und nicht zufriedenstellend. Während viele Entwicklungsländer ihre nationalen Entwicklungspläne rasch an die SDGs anpassten, waren die reichen Länder langsamer. Deutschland und andere europäische Länder griffen auf die Anpassung ihrer alten Nachhaltigkeitsstrategien zurück, die nach dem Rio-Gipfel 1992 eingeführt worden waren und oft in einer Nische überlebt hatten. Im Vergleich zu 2002, als viele Nachhaltigkeitsstrategien verabschiedet wurden, weisen die nach 2015 reformierten Strategien neue Merkmale auf: stärkere Betonung nichtstaatlicher Maßnahmen und schüchterne Bemühungen, über Silos hinauszugehen und wesentliche Veränderungen zu erreichen. Die Nische wird gesehen, und die Nachhaltigkeitsgemeinschaft bemüht sich, sie zu überwinden. Es bestehen jedoch weiterhin Anreize für Inkohärenz, da die Abteilungen um Budgets und politische Aufmerksamkeit kämpfen und die öffentlichen Verwaltungen sich davor scheuen, ihre Arbeitsweise zu reformieren. Wesentliche Veränderungen sind eher durch soziale Mobilisierung und Änderungen des Wahlverhaltens als durch aufgeklärte öffentliche Verwaltungen zu erwarten, wie die Ereignisse im Zusammenhang mit den Europawahlen im vergangenen Jahr in Deutschland gezeigt haben (also ist demokratische politische Ordnung wirklich wichtig). In diesem Zusammenhang bleiben Nachhaltigkeitsstrategien wichtig, um eine langfristige politische Orientierung an den Prioritäten des Wandels zu ermöglichen und um gesellschaftliche und politische Debatten darüber zu führen. Auf dem Panel „Planetary Integrity: Protecting the Climate“ präsentierte Clara Brandi eine gemeinsame Arbeit mit Phoossarapha Thongjumrool (Universität Duisburg-Essen) zu „Synergies between the Paris Agreement and the 2030 Agenda in China and Mexico.” Ihre Analyse der politischen Kohärenz zwischen nationalen Klimaplänen (NDCs) und nationalen Entwicklungsplänen (NDPs) zeigt, dass es in China erheblich mehr Überschneidungen gibt als in Mexiko. Dies wiederum deutet auf eine größere politische Kohärenz bei ersteren und damit auf ein größeres Potenzial zur Nutzung von Synergien hin. Der laufende Prozess der NDC-Aktualisierungen bietet vielversprechende Möglichkeiten für zukünftige Untersuchungen zur Kohärenz zwischen dem Pariser Abkommen und den SDGs.

    Okka Lou Mathis präsentierte im Panel „Planetary integrity: Resilience, nature-based solutions and the SDGs“ eine Konzeptualisierung nationaler politischer Nachhaltigkeitsinstitutionen wie Räte oder Komitees für nachhaltige Entwicklung. Sie diskutierte zudem, welche Entwurfsbedingungen notwendig seien, um Nachhaltigkeits- und Klimaprobleme in politischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen. Vorläufige Ergebnisse aus der Analyse eines globalen Datensatzes zu nationalen Nachhaltigkeitsinstitutionen (im Aufbau) zeigen, dass sich mehr als die Hälfte der bisher identifizierten Fälle im globalen Norden befindet. Wie erwartet, scheint die Umsetzung solcher politischer Gremien mit den großen UN-Nachhaltigkeitskonferenzen verbunden zu sein, die mit dem Erdgipfel von Rio 1992 begannen. Insbesondere die Verabschiedung der Agenda 2030 im Jahr 2015 löste eine weltweite Zunahme der Ankündigung und Planung nationaler Nachhaltigkeitsinstitutionen aus, obwohl noch nicht alle umgesetzt sind. Rund drei Viertel der identifizierten Institutionen richten ihre Arbeit eindeutig auf die Agenden der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung aus.

    Anita Breuer und Programmleiterin Julia Leininger präsentierten auf dem Panel „Integration and Interlinkages: Integration and Coherence“ in Zusammenarbeit mit Jale Tosun (Universität Heidelberg) eine Studie zum Thema „Integrated policymaking: A comparative analysis of institutional designs for implementing the SDGs“. Ihre vergleichende Analyse der SDG-Governance-Mechanismen in 92 Ländern zeigt, dass die Regierungen die Agenda 2030 nachdrücklich unterstützen, wobei sich die Institutionen zur Überwachung des SDG-Umsetzungsprozesses in den meisten Ländern auf der höchsten Führungsebene befinden. Sie finden jedoch auch eine dominierende Rolle der Ministerien für Umwelt und Außenpolitik in den SDG-Governance-Mechanismen. Dies wiederum deutet darauf hin, dass die Agenda 2030 in vielen Ländern trotz ihres viel breiteren Anwendungsbereichs und ihres Anspruchs auf Universalität weiterhin hauptsächlich als ökologische und entwicklungspolitische Agenda wahrgenommen wird.

    Gabriela Iacobuta präsentierte in einem separaten Panel der Reihe „Integration and Interlinkages: Integration and Coherence“ eine gemeinsame Arbeit mit Clara Brandi, Adis Dzebo (Stockholmer Umweltinstitut, Schweden) und Sofia Elizalde Duron (Mora Institut, Mexiko) zur Kohärenz zwischen klimarelevanter Entwicklungsfinanzierung und Klimaschutzaktivitäten in den national festgelegten Beiträgen der Empfängerländer. Durch die Betrachtung beide Variablen durch eine SDG-Linse stellten sie fest, dass eine signifikante Korrelation zwischen klimarelevanten Finanzierungen zwischen 2010 und 2018 und zugesagten Klimaschutzaktivitäten besteht. Während klimarelevante Finanzmittel überproportional für den Klimaschutz eingesetzt wurden, haben die Empfängerländer mehr Anpassungsmaßnahmen vorgeschlagen.

    Ines Dombrowsky und Ramona Hägele präsentierten in einem Panel der Reihe „Integration and Interlinkages: Interlinkages among SDGs“ eine Studie im Rahmen des diesjährigen DIE-Postgraduierten-Programms zur „Natural resource governance in light of the 2030 Agenda. The case of competition for groundwater in Azraq, Jordan“. Die Studie bewertet die Gesamtleistung des untersuchten sozial-ökologischen Systems, nämlich die Grundwassernutzung in Azraq, anhand der Agenda 2030, d.h. anhand der für die Fallstudie (SDGs) 2, 6, 8 und 15 relevanten Ziele für nachhaltige Entwicklung im Gegensatz zu den Kernprinzipien der Agenda 2030: „Niemanden zurücklassen“, „Vernetzung und Unteilbarkeit“, „Multi-Akteur-Partnerschaften“ und „Gleichberechtigte Teilhabe“. Es finden sich starke Kompromisse zwischen den jeweiligen SDGs und es zeigt sich, dass die Grundprinzipien bei weitem nicht erfüllt werden. Stattdessen ist der Fall durch eine starke Ungleichheit zwischen Mächtigen und Machtlosen sowie eine relativ schwache sektorübergreifende und ebenenübergreifende Koordinierung bei gleichzeitig schwacher Bürgerbeteiligung gekennzeichnet. Die Ergebnisse veranschaulichen die Notwendigkeit ganzheitlicher Perspektiven, um eine Reihe von Interventionspunkten zu identifizieren, um eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben.