PRODIGEES – Forschung, Ausbildung und Personalaustausch zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit inmitten von Covid-19

Logo: Promoting Research on Digitalisation in Emerging Powers and Europe Towards Sustainable Development (PRODIGEES)

Logo: PRODIGEES, DIE

Personalaustauschprojekte waren im Jahr 2020 in besonderer Weise von Lockdown-Maßnahmen und Reisebeschränkungen betroffen nicht wenige mussten auf Grund der notwendigen Beschränkungen eingestellt werden. Das Projekt Promoting Research on Digitalisation in Emerging Powers and Europe Towards Sustainable Development (PRODIGEES) (www.prodigees.info) kann als Beispiel einer ermutigenden Ausnahme betrachtet werden. PRODIGEES, das von der Europäischen Union über das Marie Skłodowska-Curie Action, Research and Innovation Staff Exchange (MSCA-RISE) von Horizont 2020 finanziert und vom DIE koordiniert wird, nutzt das Managing Global Governance (MGG) Netzwerk, um die Wissenskooperation zwischen Europa und außereuropäischen Forschungseinrichtungen zu stärken. Der Wert des Projektes wurde bereits in einer Ausgabe der Aktuellen Kolumne des DIE im April 2020 dargestellt.

PRODIGEES veranstaltete sein Kickoff-Meeting am 30. März, zeitgleich mit den europaweit verhängten Lockdown-Maßnahmen. Die Konferenz fand nicht in Berlin statt, sondern wurde virtuell abgehalten. Hierbei wurde sowohl den unterschiedlichen Zeitzonen der beteiligten, als auch der neuen Konferenz-Etikette Rechnung getragen. Dies gab dem Lenkungsausschuss des Projekts die Möglichkeit, sofortige Maßnahmen zu ergreifen. Innerhalb von zwei Monaten stimmte das Konsortium zu, den ursprünglichen Entsendungsplan anzupassen, neue Partner an Bord zu holen und so die Risiken zu mindern, die durch die nationalen und internationalen Reaktionen auf COVID-19 entstanden. Das DIE kontaktierte den PRODIGEES-Projektleiter in Brüssel und setzte einen Notfallplan in Gang, um das Projekt auch in den unsicheren Zeiten der Pandemie erfolgreich zu koordinieren.

Vor Beginn der ersten Lockdown-Maßnahmen hatte PRODIGEES sein Programm im Januar mit einem Forschungseinsatz von Prof. Dr. Ingrid Schneider von der Universität Hamburg begonnen. Während die Pandemie den Austausch zum Erliegen brachte, nutzte das PRODIGEES-Team die Erfahrungen von Prof. Schneider, um das Programm weiterzuentwickeln. Seitdem hat das Steering Committee alle Entsendungen auf 2021 verschoben, mit Ausnahme von zwei Forschern, die vom Instituto Mora in Mexiko-Stadt nach Deutschland gekommen sind.  Im Oktober führte das Projekt im Rahmen der virtuellen MGG Academy eine Veranstaltung zu transnationalem Open-Access-Training durch.

Forschung zu nachhaltiger Digitalisierung ist dringend notwendig, da ein immer größerer Teil unserer Arbeit und unseres sozialen Lebens online stattfindet. Die Pandemie macht Ungleichheiten überall auf der Welt sichtbar und verstärkt diese weiter. Die Relevanz von Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit nimmt weiter zu. Hier muss jedes Land und jede Organisation herausfinden und entscheiden, wie ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Handhabbarkeit auf der einen, und Privatsphäre und Sicherheit auf der anderen Seite hergestellt werden kann. Ingrid Schneiders PRODIGEES-Publikation „Democratic Governance of Digital Platforms and Artificial Intelligence?“ spricht den Machtkampf zwischen regionalen Modellen der Datenbeschaffung und des Eigentums an.

Datenschutz ist nur einer der Themenbereiche des Projekts. Die PRODIGEES-Forschung ist auf die beiden Hauptarbeitspakete „Governance und Gesellschaft“ sowie „Wirtschaft und Umwelt“ fokussiert. Diese weit gefassten Arbeitsbereiche inspirieren eine Vielzahl von Forschungsthemen mit lokalen bis globalen Schwerpunkten. Die Themen reichen von der Sammlung von Big Data in Indien, der Nutzung von Blockchain in Brasilien, dem Internet der Dinge für eine nachhaltige Entwicklung in Indonesien bis hin zu künstlicher Intelligenz im Klimaschutz. Insgesamt umfasst das Projekt über 80 verschiedenen Forschungsprojekte.

Die „digitale Kluft“ war das Thema von Dr. Carlos Dominguez‘ PRODIGEES-Forschung, als er im Herbst dieses Jahres vom Instituto Mora nach Deutschland entsandt wurde. In Anlehnung an die Pandemievorschriften von Horizon 2020 und aufgrund der eigenen Coronavirus-Maßnahmen des DIE kam Dr. Dominguez nach Deutschland, führte aber nicht alle seine Forschungen in den Räumlichkeiten des DIE durch. Wie die meisten DIE-Mitarbeiter*innen, führte er den größten Teil seiner Forschungen digital durch. Sein PRODIGEES-Workshop „Digital, but still Unequal: the challenges of digitalisation for emerging powers – Mexico“ wandelte er in einen virtuellen Workshop um. Dieser nutzte soziale Theorien, um das Konzept der „digitalen Kluft“ in Kategorien wie Kapital, Bildung, Kompetenzen und Kulturproduktion zu untersuchen. Mit Hilfe innovativer Tools wie den Breakout-Räumen von Zoom und kollaborativen digitalen Whiteboards demonstrierte Dr. Dominguez die Macht der Digitalisierung bei der Überwindung einiger der durch COVID-19 aufgeworfenen Herausforderungen.

Das Coronavirus mag das anfängliche Momentum des PRODIGEES ein wenig verlangsamt, aber die Flexibilität der Europäischen Kommission für Horizon-2020-Projekte ermöglichte es dem schnell reagierenden Netzwerk, die Integrität seiner Mission zu bewahren.

In einer Zeit, in der digitale Werkzeuge viel versprechen, große Risiken bergen und in der eine Pandemie uns alle noch abhängiger von der Digitalisierung gemacht hat, erscheint die PRODIGEES-Forschung relevanter und notwendiger denn je.