Expert*innen diskutierten wachsende Zweifel an der künftigen Rolle des US-Dollars und Perspektiven einer multipolaren Währungsordnung.

Auf dem Global Solutions Summit, der am 1. und 2. Juni 2026 in Berlin stattfand, diskutierte Dr. Kathrin Berensmann gemeinsam mit Antonio Villafranca, Forschungsdirektor des Italian Institute for International Political Studies (ISPI), und Richard Samans, Senior Fellow bei Brookings, über die sich wandelnde Rolle des US-Dollars im globalen Finanzsystem sowie die Perspektiven einer multipolaren internationalen Währungsordnung.
Seit Jahrzehnten stützen die Vereinigten Staaten das internationale Finanzsystem durch die Dominanz des US-Dollars. Der Dollar erfüllt mehrere miteinander verknüpfte Funktionen: Er ist die wichtigste Reserve-, Anker- und Transaktionswährung sowie die zentrale Recheneinheit des internationalen Finanzsystems.
Allerdings stellen zwei Entwicklungen die Nachhaltigkeit dieser Rolle zunehmend infrage. Erstens wecken die steigende Staatsverschuldung und Zweifel an der Stabilität der wirtschaftlichen und politischen Institutionen Bedenken, ob die USA langfristig weiterhin den weltweit wichtigsten sicheren Anlagewert (safe asset) bereitstellen können. Zweitens ist das relative wirtschaftliche Gewicht der USA aufgrund des raschen Wachstums der Schwellenländer gesunken.
Im Rahmen des Panels wurde außerdem die nächste Phase der (De-)Globalisierung sowie der mögliche Übergang zu einem multipolaren internationalen Währungssystem erörtert. In einem solchen System könnte der US-Dollar zunehmend durch andere internationale Währungen – darunter der Euro, der Yen und der Renminbi – ergänzt oder herausgefordert werden. Darüber hinaus könnten neue Formen der regionalen Finanzkooperation an Bedeutung gewinnen. Beispiele hierfür sind regionale Liquiditätsvereinbarungen wie die Chiang Mai Initiative in Asien sowie der Aufbau regionaler Liquiditätspools in Asien, Europa, Afrika und Lateinamerika, die die Abhängigkeit von Swap-Linien in US-Dollar verringern könnten. Zudem hat Gold in den vergangenen fünf Jahren den US-Dollar teilweise als Reserveanlage ersetzt und damit als alternatives Reserveaktivum an Bedeutung gewonnen.

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