Wie können unterschiedliche Ontologien von „Natur“ zusammenwirken?

Bei einem Dialog diskutierten Praktiker*innen wie verschiedene Naturverständnisse die Synergien zwischen den Rio-Konventionen beeinflussen können.

Photo: Das Triple COP Practitioner Panel, geleitet von IDOS Forscher Dr. Niklas Wagner.
©Reginald Ofori Kyere, IDOS

Der von IDOS am 12. Juni organisierte Dialog befasste sich damit, wie die Rio-Konventionen den Begriff „Natur“ unterschiedlich verstehen – und was dies für die Erzielung von Synergien im Jahr der drei COP-Konferenzen bedeutet.

Unter der Moderation von IDOS-Experte Niklas Wagner brachte die Podiumsdiskussion Claudia Hiepe (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Melanie Coath (RSPB) und Jennifer Lenhart (Ambition Loop) zusammen, um ein zentrales Paradoxon zu beleuchten: Das gleiche Wort „Natur“ taucht in der UNFCCC, der CBD und der UNCCD auf, hat jedoch in jedem Kontext eine grundlegend andere Bedeutung. Die UNFCCC versteht unter „Natur“ in erster Linie Kohlenstoff; die CBD versteht darunter biologische Vielfalt; die UNCCD versteht darunter Land als Lebensgrundlage.

Die Podiumsdiskussion wurde mit einem Verweis auf den indigenen Gelehrten Ailton Krenaks Erkenntnis eröffnet, wonach die Trennung zwischen Natur und Kultur selbst eine westliche, koloniale Trennung sei. Anschließend wandte sich die Sitzung den Erfahrungen der Praktiker*innen zu: Welche strukturellen Veränderungen würden dazu beitragen, die institutionelle Fragmentierung zu überbrücken? Wessen Wissen zählt, wenn sich Klima-, Land- und Biodiversitätsagenden überschneiden? Wie wirken indigene Wissenssysteme, wissenschaftliche Expertise und politische Vorgaben in der Praxis tatsächlich zusammen?

Anstelle abstrakter Forderungen nach Integration verankerte die Diskussion Synergien in der täglichen Arbeit der Praktiker*innen über diese getrennten Bereiche hinweg und legte nahe, dass echter Fortschritt die Übersetzung zwischen grundlegend unterschiedlichen Ontologien der Natur erfordert.

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