In disruptiven Zeiten können Kooperation und langfristiges Engagement Reformen vorantreiben und Dialog in einer fragmentierten Welt stärken.

Die Ereignisse der vergangenen Monate haben eines gemeinsam: In Zeiten geopolitischer Umbrüche ist die Frage, wie Kooperation aufrechterhalten, neue Allianzen geschmiedet und Reformen gestaltet werden können, nicht nur dringlich, sondern unsere zentrale Aufgabe.
Am 21. September hat IDOS seinen neuen Flagship-Report „Sustainable Futures at Stake? The Case for Politics of Cooperation and Perseverance“ veröffentlicht. Disruptive Politikgestaltung nimmt immer weiter zu. Von Handelskriegen über die Rückkehr staatlicher Gewalt als politisches Instrument bis hin zur Ausbreitung des Autoritarismus – nachhaltige Zukünfte sind zunehmend gefährdet. Diese Zeiten erfordern von uns, über bloße Analyse von Disruption und düstere Prognosen hinauszugehen, sondern vielmehr produktive Wege nach vorne aufzuzeigen.
Auf der Grundlage unserer Forschung und Zusammenarbeit mit internationalen Partner*innen beleuchtet und analysiert der Bericht die Institutionen, Akteure und Partnerschaften, die Reformen prägen und Kooperation in einer multipolaren Welt ermöglicht. Seine zentrale These lautet, dass eine Politik der Kooperation und Beharrlichkeit disruptive Veränderungen in Reformdynamiken umwandeln kann, die Wege in nachhaltige Zukünfte eröffnet.
Der Bericht liefert zwei wesentliche Erkenntnisse. Erstens zeigt er auf, in welchen Politikbereichen Reformen bereits Gestalt annehmen und welche Akteure Unterstützung benötigen, um diese voranzutreiben. Zweitens kommt er zu dem Ergebnis, dass ‚Middle Powers‘ und Regionalmächte sowie die Europäische Union den Weg zu dem notwendigen strukturellen Wandel anführen können.
„Leser*innen blicken über Disruption hinaus und erfahren, in welchen Politikfeldern sich Reformen bereits abzeichnen und wer Unterstützung braucht, um sie voranzutreiben.“
„Unser gemeinsames Ergebnis: Mittel- und Regionalmächte können bei den Reformen für die notwendige strukturelle Transformation vorangehen. Kooperation ist DIE strategische Ressource.“

Dieses Verständnis von Kooperation als strategischer Ressource prägte auch die anschließende Diskussion im internationalen Kontext. Beim 14. Sino-German Forum an der Tongji-Universität (17.–22. September) tauschte sich Prof. Dr. Hornidge zur europäischen und chinesischen Handels- und Industriepolitik in einer sicherheitsgetriebenen Weltordnung aus – ein Gespräch, das direkt an die Argumentation des IDOS-Flagship-Reports zur Politik der Kooperation in disruptiven Zeiten anknüpft. In ihrem Beitrag reflektierte sie den aktuellen Zustand der globalen Governance: Während plurilaterale Formate weiter an Bedeutung gewinnen, ist die multilaterale Ebene zunehmend von Blockaden geprägt. Vor diesem Hintergrund nannte sie fünf Punkte für die Gestaltung der EU-China-Beziehungen: Handelsspannungen deeskalieren; Bereiche gemeinsamen Interesses identifizieren, darunter die klimastabilisierende Transformation der Energie- und Ernährungssysteme; Unterschiede anerkennen, etwa beim Krieg Russlands gegen die Ukraine und bei regulatorischen Standards; wechselseitige Sorgen respektieren; und in gemeinsame normative und institutionelle Rahmen investieren – von der Agenda 2030 und ihren Nachfolgerahmen bis zu G20 und WTO.
