Ruanda hat die politischen Rahmenbedingungen für grünes Bauen. Nun gilt es, Finanzierung, Fachkräfte und Märkte für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen zu stärken.
Angesichts zunehmender Klimarisiken stehen viele Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, insbesondere in Subsahara-Afrika, vor drei miteinander verknüpften Herausforderungen: kohlenstoffarme Volkswirtschaften aufzubauen, gleichzeitig ausreichenden Wohnraum für wachsende städtische Bevölkerungen bereitzustellen und produktive Arbeitsplätze für eine wachsende Erwerbsbevölkerung zu schaffen.
Ruanda bietet mit seinem ambitionierten und umfassenden politischen Rahmen für grünes Wachstum einen besonders relevanten Kontext, um diese Herausforderungen anzugehen. Am 25. August 2026 stellten IDOS, die Universität Ruanda und Equilibria Ltd im Rahmen eines Online-Workshops die Ergebnisse ihres gemeinsamen Forschungsprojekts „Greening Building Construction in Africa: Opportunities for Firm Upgrading in the Case of Rwanda“ vor. Teilnehmende waren Vertreter*innen der ruandischen Regierung, von Finanzinstitutionen, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, (Hoch-) Schulen und Entwicklungspartnern.
Zentrale Ergebnisse
Für Ruanda ist grünes Bauen nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Chance:
- Grünes Bauen kann kostengünstig sein, insbesondere wenn langfristige Vorteile berücksichtigt werden.
- Grünes Bauen kann Kleinst- und kleinen Bauunternehmen dabei helfen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen, während gleichzeitig künftige Sanierungs- und Nachrüstungskosten vermieden, der Ressourcenverbrauch gesenkt, und eine “Carbon Lock-in“ Situation verhindert werden.
Die Herausforderung liegt nicht in fehlenden politischen Rahmenbedingungen, sondern in deren Umsetzung.
- Geringes Bewusstsein, Vorbehalte gegenüber lokalen grünen Baumaterialien sowie (vermeintlich) hohe Kosten für grüne Materialien und Technologien bremsen die Verbreitung.
- Grüne Finanzierungsangebote bestehen; sind für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen jedoch weiterhin schwer zugänglich. Vereinfachte Kriterien und gezielte Unterstützung sind erforderlich.
- Kompetenzentwicklung, lokale Forschung, Erprobung und Innovation sowie stärkere Verknüpfungen innerhalb der Wertschöpfungskette sind entscheidend, um grünes Bauen auszuweiten.
- Eine bessere politische Abstimmung und Koordinierung der Politik, eine Reform der grünen öffentlichen Beschaffung sowie Programme zur Lieferantenentwicklung können bestehende politische Maßnahmen in konkrete Marktchancen verwandeln.
In der Diskussion im Anschluss an den Vortrag forderten die Teilnehmenden mehr staatliche Verantwortung, eine stärkere Einbindung des Privatsektors und der Fachleute, leichter zugängliche Finanzierung, landesweite Demonstrationsprojekte sowie engere Verbindungen zwischen Wissenschaft, Regierung, Privatwirtschaft und Entwicklungspartner*innen.
Nachfolgende Policy Briefs und eine bevorstehende Veranstaltungsreihe der Deutschen Botschaft werden diesen Austausch zwischen politischen Entscheidungsträger*innen und Privatunternehmen weiterführen.
