Neue Forschung untersucht Autokratisierung, ihre Akteure, Gewalt und gesellschaftliche Folgen mit innovativen Methoden und Daten.

Fünf Kolleg*innen des IDOS aus der Abteilung „Transformation politischer (Un-)Ordnung“ nahmen an der Jahrestagung der American Political Science Association (APSA) in Boston teil, die unter dem Leitthema „Democracy Under Threat: How to Understand, Protect, and Rebuild“ stand: PD Dr. Julia Leininger, Dr. Jasmin Lorch, Dr. Karina Mross, Michael Roll, PhD und Dr. Semuhi Sinanoglu. Sie organisierten zwei Panels, „Innovative Approaches to Measuring Regime Change“ und „Autocratization and Political Violence: Investigating a Complex Relationship“, und leiteten ein drittes. Den roten Faden bildeten Fragen, die sich durch unser Forschungsprogramm ziehen: Wie erodiert Demokratie, wer treibt diesen Prozess voran, wie lässt er sich besser messen, und welche gesellschaftlichen und politischen Folgen hat er?
Julia Leininger stellte ihr Papier zu den Rollen religiöser Akteure in der dritten Welle der Autokratisierung vor. Das Papier führt zentrale konzeptionelle Werkzeuge für die Erforschung von Religion im Regimewandel ein und entwickelt eine Typologie von drei Rollen, die religiöse Akteure in Autokratisierungsprozessen einnehmen können: Wegbereiter, Opfer und Verteidiger.
Semuhi Sinanoglu stellte DERTT, einen neuen Datensatz vor, den er gemeinsam mit Lucan Way, Steven Levitsky und Yashar Talebirad entwickelt hat. DERTT erfasst Autokratisierung transparent, reproduzierbar und kosteneffizient: Eine auf Präzision ausgelegte LLM-Pipeline extrahiert mehr als 76.000 Vorfälle aus öffentlichen Menschenrechtsberichten weltweit für die Jahre 2000 bis 2023, und jeder Vorfall lässt sich bis zu seinem Quellsatz zurückverfolgen.
Karina Mross fragte gemeinsam mit Charlotte Fiedler und Daniel Nowack, wann Autokratisierung einen Gewaltkonflikt auslöst, und identifizierte die Bedingungen und Mechanismen, die Autokratisierung mit dem Ausbruch innerstaatlicher Konflikte verbinden. Zudem präsentierte Karina Mross zusammen mit Simon Hug eine gemeinsame Arbeit (auch mit Christoph Dworschak, Sandra Penić und Sarah Zahreddine), die eine innovative Messung gesellschaftlicher Dynamiken während Konflikten anhand kollektiven Musikhörverhaltens untersucht.
Gemeinsam mit Julia Wießmann von der Universität Heidelberg verglich Jasmin Lorch Bangladesch und Indonesien, um zu zeigen, unter welchen Bedingungen Regierungen die „terroristische Bedrohung“ als Legitimationsinstrument für Autokratisierung und die Unterdrückung politischer Gegner*innen nutzen.
Michael Rolls Vortrag befasste sich mit Gender und Klimapolitik. Zwar haben jüngere Studien gezeigt, dass eine zunehmende Repräsentation von Frauen in Parlamenten und Bürgermeisterämtern mit besserer Klimapolitik einhergeht, die kausalen Mechanismen sind jedoch unklar. Er stellte einen Analyserahmen zur Untersuchung möglicher Mechanismen vor.
