Stromsektor in Syrien steht vor komplexem Wiederaufbau

Der schwierige Weg zu einer nachhaltigeren und inklusiveren Energieversorgung macht die eng miteinander verflochtenen technischen, politischen und sozialen Herausforderungen deutlich.

Eine zuverlässige Energieversorgung ist eine der dringendsten Voraussetzungen für den Wiederaufbau nach einem Konflikt. Ohne Strom können Krankenhäuser nicht funktionieren, Wasser nicht gepumpt und Unternehmen ihre Tätigkeit nicht wieder aufnehmen. In Syrien hat der über ein Jahrzehnt andauernde Konflikt zu einer fragmentierten Versorgungslandschaft geführt: drei weitgehend isolierte Systeme im Nordosten, Nordwesten und im Rest des Landes sowie die weit verbreitete Nutzung privater Generatoren und Solaranlagen auf Hausdächern. Der Wiederaufbau des Sektors wirft daher Fragen auf, die weit über technische Aspekte hinausgehen: Wem gehört das Stromnetz, welche Energieträger kommen zum Einsatz, wer investiert, und wer kann es sich leisten, es zu nutzen? Diese Fragen sind für die Entwicklungszusammenarbeit von unmittelbarer Bedeutung, um eine umwelt- und sozialverträgliche Transformation zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund organisierte IDOS am 22. September eine Online-Veranstaltung, bei der der syrische Forscher Sultan Jalabi seine Studie „Towards a transformative reconstruction of the electricity sector in Syria: current developments and opportunities“ vorstellte. Im Anschluss daran folgten Kommentare von Mona Heiß, Länderreferentin Syrien im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie eine lebhafte Diskussion mit politischen Entscheidungsträger*innen, Forschenden, Fachleuten aus der Entwicklungszusammenarbeit und Vertreter*innen der Wirtschaft.

Die Diskussion machte deutlich, dass die technischen, politischen und sozialen Herausforderungen im syrischen Stromsektor eng miteinander verflochten sind und nicht isoliert angegangen werden können. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit kann lokale Akteure auf rechtlicher, administrativer und technischer Ebene unterstützen, sollte jedoch zeitliche Sequenzierung und partizipative Regierungsführung in den Vordergrund stellen. Die Diskussionsteilnehmenden betonten, wie schwierig es sei, einen geeigneten Maßstab für Stromtarifen in einem gesellschaftlichen Umfeld zu finden, in dem 90 Prozent der Haushalte in Armut leben. Angesichts begrenzter Datenverfügbarkeit und mangelnder Transparenz für kleinere Investor*innen ist es zudem herausfordernd, den im Wiederaufbau tatsächlich benötigten Strombedarf zu prognostizieren.

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