XIX World Water Congress setzt Impulse in Marrakesch

IDOS-Wissenschaftlerin Dr. Annabelle Houdret betont die Bedeutung von Genderaspekten in Wasser-Governance.

Gruppenphoto: von links nach rechts: Jean Carlo Rodríguez, Mirja Schoderer, Annabelle Houdret und Ines Dombrowsky beim Weltwasser-Kongress in Marrakesch.
Von links nach rechts: Jean Carlo Rodríguez, Mirja Schoderer, Annabelle Houdret und Ines Dombrowsky. ©IDOS

Auf Einladung der International Water Resources Association (IWRA) und des marokkanischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasser kamen vom 1. bis 5. Dezember 2025 rund 1500 Teilnehmende zum Internationalen Wasserkongress zusammen. Als letztes großes internationales Treffen vor der für Januar geplanten hochrangigen Vorbereitungssitzung (HLPF) für die UN-Wasserkonferenz 2026 kam dem Kongress eine wichtige Bedeutung für den Austausch zu. Das IDOS-Wasserteam war mit mehreren Beiträgen vertreten.

Dr. Annabelle Houdret organisierte eine Special Session zum Thema “Morocco at a critical juncture: expert debate on opportunities for improved water governance”. Angesichts der bedeutenden Veränderungen durch die starke Wasserknappheit in Marokko wurde hier debattiert, wie Genderaspekte gestärkt und Governance-Herausforderungen angegangen werden können. Frau Touria ElAfti, Beraterin des marokkanischen Ministers für Infrastruktur und Wasser, erklärte, wie das Land unter anderem die Rekrutierung von weiblichen Fachkräften im Sektor stark erhöht hat und welche Herausforderungen bei der Umsetzung der Strategie zur Institutionalisierung der Geschlechtergleichstellung im Wassersektor weiter bestehen. Frau Raja Aouijil, Vertreterin der Zivilgesellschaft aus der Oasenregion Tafilalt, die selbst durch die Landrechtreform für Frauen Agrarland erwerben konnte, schilderte eindrücklich den Bedarf für weitere Unterstützung. Annabelle Houdret erklärte hierzu auf Grundlage des zusammen mit drei Ko-Autorinnen verfassten Policy Briefs „Water crisis and rural women: insights from Moroccan oases, welche vier Maßnahmen besonders effektiv wirken können. Im zweiten Teil des Panels erläuterte Prof. Dr. Samira Idlallène von der Universität Cadi Ayyad in Marrekech-Safi, wie die umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen, mit denen Marokko der Wasserkrise begegnet, auch die Governance herausfordern. So sei bisher unzureichend erforscht, welche ökologischen und sozialen Folgewirkungen die sogenannte ‚Wasserautobahnen‘ für den Wassertransfer zwischen Regionen und die zahlreichen Entsalzungsanlagen haben werden. Frau Radia Benabderrazik von der gleichen Universität betonte in ihrem Vortrag, dass gerade die traditionellen, häufig informellen Wasserrechte von diesen Vorhaben negativ betroffen sein könnten.

Prof. Dr. Ines Dombrowksy hielt einen Vortrag, in dem sie Mechanismen zur Steuerung des Wasser-Energie-Nahrungsmittel-Ökosystem-Nexus (WEFE) anhand von vier Fallbeispielen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen aufzeigte. Sie wies darauf hin, dass in allen Fällen hierarchische Entscheidungsprozesse und Regulierungsinstrumente vorherrschen und die bestehenden Genehmigungssysteme nicht in der Lage sind, eine nachhaltige Wasserentnahme und eine gerechte Wasserverteilung zwischen den verschiedenen wasserverbrauchenden Sektoren zu gewährleisten. Die Hauptgründe dafür sind Informationsmangel, mangelnde Kapazitäten und vor allem politisch-wirtschaftliche Faktoren.

Die Special Session „Wasser- und Biodiversitätsschutz durch Umweltgerechtigkeit: Erforschung naturbasierter Lösungen für Wassersicherheit“, organisiert von Dr. Jean-Carlo Rodriguez (IDOS), Leiter des BIO-JUST-Projekts, erklärte, wie naturbasierte Lösungen Umweltgerechtigkeit untergraben können. Fallstudien aus Europa und Lateinamerika zeigten, wie solche Lösungen zu vielfältigen Ungerechtigkeiten führen können: zur Benachteiligung bei der Verteilung von Kosten und Nutzen, zu mangelnder Einbeziehung der Betroffenen in Verfahren, zu nicht ausreichender Anerkennung etwa von traditionellen Praktiken und Rechten, sowie zu Ungerechtigkeit zwischen Generationen. Die Fälle zeigten, dass naturbasierte Lösungen Wassersicherheit hauptsächlich für privilegierte Gruppen schaffen, wenn sie sich nur auf Wasserbereitstellung statt auf kooperatives Management konzentrieren. Marginalisierte Gruppen dagegen stehen wegen der bestehenden Machtungleichgewichte häufig vor allem Umweltungerechtigkeiten gegenüber.

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