Megatrends Afrika

Vor allem in afrikanischen Staaten ist eine dynamische Entwicklung von Megatrends wie Klimawandel und Digitalisierung sichtbar. Das neue Projekt „Megatrends Afrika“ von SWP, DIE und IfW Kiel unterstützt politische Entscheidungsträger*innen mit wissenschaftlich fundierter Beratung.

Logo: Megatrends Africa

©DIE

Die Klimakrise, eine rasante Urbanisierung, die digitale Revolution, Migrationsbewegungen oder geopolitische Machtverschiebungen – Megatrends wie diese beschäftigen politische Entscheidungsträger*innen in Afrika und Europa gleichermaßen und stellen sie vor neue Herausforderungen. Diese tiefgreifenden Transformationen verändern Politik, Gesellschaft und Wirtschaft beider Kontinente. Vor allem in afrikanischen Staaten ist eine dynamische Entwicklung sichtbar. Eine Entwicklung, die sich im hohen Stellenwert Afrikas auf der politischen Agenda Deutschlands und Europas widerspiegelt. Die neue Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat diesem in ihrem Koalitionsvertrag Ausdruck verliehen und strebt eine enge ressortübergreifende Zusammenarbeit in der kommenden Legislaturperiode an. Das ist eine weitreichende Chance für die deutsche und europäische Afrikapolitik.

Damit steigt auch der Bedarf an wissenschaftlich fundierter Politikberatung. Hier setzt das neue Forschungs- und Beratungsprojekt „Megatrends Afrika: Auswirkungen und Handlungsoptionen für die deutsche und internationale Politik“ an. Ab Januar werden Wissenschaftler*innen der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und dem Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) politische Entscheidungsträger*innen mit auf wissenschaftlicher Evidenz basierende Handlungs- und Entscheidungsgrundlagen unterstützen. Das Augenmerk des Kooperationsprojektes liegt auf strategisch relevanten politischen und sozioökonomischen Entwicklungen in Afrika sowie Afrikas internationalen Beziehungen. Das Projekt möchte zu einer differenzierten öffentlichen Afrika-Debatte beitragen und neue Impulse für die Kooperation zwischen Afrika und Europa setzen.

Deutsche und europäische Afrikapolitik in Zeiten globaler Megatrends

Bei der virtuellen Auftaktveranstaltung des ressortübergreifend geförderten Projektes am 14. Dezember 2021 haben Vertreter*innen aus Politik und Wissenschaft über die Bedeutung der Megatrends für die deutschen und europäischen Beziehungen mit afrikanischen Staaten debattiert. Die Megatrends wurden als Chance und Herausforderung begriffen, die staatliche Strukturen in Zugzwang zu setzen. Dies gelte besonders für den demografischen Wandel und die wachsenden Bedürfnisse und Forderungen einer immer größer werdenden afrikanischen Jugend. Es sei die Aufgabe des Staates, Lösungen und einen konstruktiven Umgang mit den Auswirkungen der Transformationen anzubieten und so das Wohl der Bevölkerung zu sichern. Dort, wo dies nicht geschehe oder verfehlt werde, herrsche ein Gefühl der sozialen Exklusion vor. Das berge starkes Konfliktpotenzial.

Gleichzeitig habe der Umgang mit der Corona-Pandemie die Beziehungen zu den afrikanischen Partnern belastet. Politisches Vertrauen sei verloren gegangen. Auf der Suche nach strategischer Autonomie diversifizierten Afrikas politische Entscheidungsträger*innen ihre internationalen Partner*innen. Man wolle als eigenständiger Akteur betrachtet werden und sei nicht mehr allein auf europäische Partner angewiesen. Daran müsste sich die deutsche und europäische Afrikapolitik anpassen. Es gehe darum, einen engen Dialog zu schaffen, Vertrauen zu stärken und afrikanische Interessen zu berücksichtigen. Nur so ließe sich in eine wahre Partnerschaft investieren und einen gemeinsamen Umgang mit den Megatrends finden.

Interdisziplinärer Ansatz des Kooperationsprojektes

Vor diesem thematischen Hintergrund wird das Kooperationsprojekt nun seine Arbeit aufnehmen. Drei Forschungspapiere soll es zur Rolle der Megatrends in gewaltsamen Konflikten und Staatlichkeit, ihr Einfluss auf Demokratisierungs- und Autokratisierungstendenzen sowie ihrer Bedeutung in den Beziehungen afrikanischer Staaten mit externen Akteuren wie China oder Russland geben. Interdisziplinarität ist dabei der Ausgangspunkt für die Forschung der drei Institute. Sie wollen einen Raum des Austausches schaffen und ein weitreichendes Netzwerk afrikanischer und europäischer Wissenschaftler*innen entstehen lassen. Die Direktor*innen der Einrichtungen erhoffen sich eine längerfristige Stärkung der deutschen Forschungs- und Beratungslandschaft und eine erhöhte Sichtbarkeit der Afrikaforschung. Letztendlich sei das Projekt ein erster Schritt hin zum Entstehen eines eigenständigen Afrikainstitutes, hieß es auch von Seiten der politischen Vertreter aus den Bundesministerien.

1 comment

  1. Dr. Berthold M. Kuhn - Antworten

    Guten Tag,
    wir freuen uns sehr über den Start des Megatrends Afrika Projekts. Unser Buch „Global Perspectives on Megatrends“ kommt im April/Mai 2022 bei Ibidem/Columbia University Press heraus: https://cup.columbia.edu/book/global-perspectives-on-megatrends/9783838215631#
    Das Buch basiert auf eigener Forschung, Zusammenarbeit mit Think Tanks aus verschiedenen Weltregionen und 30 Interviews, auch mit Expert*innen aus Afrika zu den Themen Klimawandel, Digitalisierung, wachsende Ungleichheiten, demographische Entwicklungen, Smart Cities, Green Economy, Sustainable Finance, Gesundheit und Ernährung, Demokratie, Migration, Zukunft des Multilateralismus u.a.
    Wir freuen uns auf einen Austausch mit Ihnen.
    Beste Grüße aus Berlin
    Berthold Kuhn

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